Ein hartnäckiger Irrtum lautet: Waschen ist gründlicher. Das klingt
plausibel, weil wir Sauberkeit mit Wasser und Seife verbinden. Im Pflegealltag stimmt es
trotzdem nicht.
WARUM DESINFIZIEREN DER STANDARD IST
Die Händedesinfektion ist wirksamer gegen die meisten Keime als das
Waschen. Alkoholische Präparate zerstören die Hülle von Bakterien und vielen
Viren innerhalb von Sekunden. Beim Waschen dagegen werden Keime überwiegend nur
mechanisch weggespült, und das gelingt unterschiedlich gut.
Der zweite Vorteil überrascht viele: Desinfizieren schont die Haut mehr als
häufiges Waschen. Seife entfettet die Haut und löst mit dem Schmutz auch
den natürlichen Fettfilm. Moderne Händedesinfektionsmittel enthalten dagegen
rückfettende Stoffe. Wer zwanzigmal am Tag wäscht, hat nach zwei
Wochen rissige Hände. Wer zwanzigmal am Tag desinfiziert, in aller Regel nicht.
Und der dritte Vorteil ist ganz praktisch: Es geht schneller und der Spender hängt
dort, wo Sie stehen. Kein Weg zum Waschbecken, kein Handtuch, keine Wartezeit.
bestimmten Anlässen.
WANN GEWASCHEN WIRD
Es gibt genau drei Anlässe, bei denen das Waschen nicht ersetzbar ist:
- Bei sichtbarer Verschmutzung. Alkohol löst keinen Schmutz.
Liegt eine sichtbare Schicht auf der Haut, kommt das Desinfektionsmittel gar nicht
erst an die Keime heran. - Nach dem Toilettengang. Hier geht es sowohl um Verschmutzung als
auch um Erreger, die der Alkohol nicht sicher erfasst. - Bei bestimmten Erregern, gegen die Alkohol nicht wirkt. Dazu
gehören Sporenbildner wie Clostridioides difficile sowie
Noroviren. Hier hilft nur die mechanische Entfernung mit Wasser und
Seife, und zwar gefolgt von der Desinfektion.
ZUM SCHMUNZELN, ABER WAHR
Alkohol ist gegen fast alles ein harter Gegner, aber gegen Sporen ist er der
Türsteher, der die Gäste einfach durchwinkt. Deshalb bei
C. difficile: erst waschen, dann desinfizieren. Zwei Schritte, kein
Kompromiss.
★★☆ Stufe 2 – Vertiefung
WARUM SPOREN EINE SONDERROLLE SPIELEN
Manche Bakterien können sich bei ungünstigen Bedingungen in eine
Dauerform zurückziehen: die Spore. Man kann sich das wie einen Bunker
vorstellen. Die Spore hat eine mehrschichtige, sehr widerstandsfähige Hülle,
enthält kaum Wasser und ist stoffwechselinaktiv.
Genau diese Eigenschaften machen sie für Alkohol unangreifbar. Alkohol wirkt, indem
er Eiweiße ausfällt und Membranen auflöst. Beides braucht Wasser und einen
aktiven Stoffwechsel. Die Spore bietet weder das eine noch das andere. Sie überlebt die
Desinfektion also nicht, weil sie besonders stark wäre, sondern weil sie schlicht keinen
Angriffspunkt bietet.
Was bleibt, ist die mechanische Entfernung: Wasser, Seife, Reibung, spülen.
Die Spore wird dabei nicht abgetötet, sondern buchstäblich weggespült. Deshalb
folgt anschließend die Desinfektion, die sich um alles andere kümmert.
Bei Noroviren ist die Ursache eine andere, das Ergebnis dasselbe: Sie besitzen keine
Hülle, die der Alkohol auflösen könnte. Manche Präparate sind ausdrücklich
als begrenzt viruzid PLUS oder viruzid ausgewiesen und wirken
auch hier. Ob Ihr Produkt dazu zählt, steht auf dem Etikett und im Hygieneplan Ihres
Hauses.
FALLBEISPIEL: FRAU KLEIN
Frau Klein hat gerade Herrn Sonne mit einer
bekannten C.-difficile-Infektion versorgt. Sie zieht die Handschuhe aus,
greift zum Spender an der Wand, reibt sorgfältig ein und denkt, damit sei
alles erledigt.
Leider nein. Gegen Sporen muss sie zuerst waschen. Der Spender allein
lässt die Sporen kalt.
Frage zum Mitdenken: In welcher
Reihenfolge geht Frau Klein jetzt richtig vor – und warum ist es nicht egal,
ob man zuerst wäscht oder zuerst desinfiziert?
ÜBUNG
Aufgabe: Waschen, desinfizieren oder
beides? Ordnen Sie zu.
- Desinfizieren ist der Standard, weil es wirksamer und hautschonender
ist. - Seife entfettet die Haut, Desinfektionsmittel enthalten rückfettende
Stoffe. - Gewaschen wird bei sichtbarem Schmutz, nach dem Toilettengang sowie bei
Sporen und Noroviren. - Bei Sporen gilt: erst waschen, dann desinfizieren.
- Alkohol wirkt bei Sporen nicht, weil sie stoffwechselinaktiv sind und
keinen Angriffspunkt bieten.
WISSENSCHECK
Händewaschen ist im Pflegealltag grundsätzlich
gründlicher als die Desinfektion.
Das ist der klassische Irrtum. Die
Desinfektion ist gegen die meisten Keime wirksamer und schont zugleich die
Haut.
Bei sichtbarem Schmutz an den Händen muss zuerst
gewaschen werden.
Alkohol löst keinen Schmutz. Unter
einer sichtbaren Schicht kommt das Mittel gar nicht an die Keime heran.
Nach dem Waschen bei C. difficile kann
man sich die Desinfektion sparen.
Das Waschen entfernt die Sporen
mechanisch. Die Desinfektion danach kümmert sich um alle übrigen Keime.
Beide Schritte gehören zusammen.