Kursinhalt
Modul 1: Warum Hygiene? Die Infektionskette verstehen
Grundlagen: nosokomiale Infektionen, die sechs Glieder der Infektionskette, Übertragungswege und der Grundsatz der Standardhygiene.
0/3
Modul 2: Händehygiene im Mittelpunkt
Die fünf Momente der Händehygiene nach WHO und die Entscheidung zwischen Waschen und Desinfizieren.
0/2
Modul 3: Richtig desinfizieren – Technik und Details
Einreibetechnik und Schwachstellen, Einwirkzeit und Menge, Handschuhe sowie Nägel, Schmuck und Hautschutz.
0/4
Modul 4: Rahmen, Verantwortung und Transfer
Hygieneplan und § 23 IfSG, Compliance im Alltag und die Transferaufgabe für die eigene Schicht.
0/1
Abschluss und Nachschlagen
Glossar, Quellenverzeichnis und der Abschlusstest über alle Module.
0/3
Hygiene mit Schwerpunkt Händehygiene
Lernziel
Sie können begründen, wann desinfiziert und wann gewaschen wird, und warum Desinfizieren im Alltag hautschonender ist als ständiges Waschen.

Ein hartnäckiger Irrtum lautet: Waschen ist gründlicher. Das klingt
plausibel, weil wir Sauberkeit mit Wasser und Seife verbinden. Im Pflegealltag stimmt es
trotzdem nicht.

WARUM DESINFIZIEREN DER STANDARD IST

Die Händedesinfektion ist wirksamer gegen die meisten Keime als das
Waschen. Alkoholische Präparate zerstören die Hülle von Bakterien und vielen
Viren innerhalb von Sekunden. Beim Waschen dagegen werden Keime überwiegend nur
mechanisch weggespült, und das gelingt unterschiedlich gut.

Der zweite Vorteil überrascht viele: Desinfizieren schont die Haut mehr als
häufiges Waschen.
Seife entfettet die Haut und löst mit dem Schmutz auch
den natürlichen Fettfilm. Moderne Händedesinfektionsmittel enthalten dagegen
rückfettende Stoffe. Wer zwanzigmal am Tag wäscht, hat nach zwei
Wochen rissige Hände. Wer zwanzigmal am Tag desinfiziert, in aller Regel nicht.

Und der dritte Vorteil ist ganz praktisch: Es geht schneller und der Spender hängt
dort, wo Sie stehen. Kein Weg zum Waschbecken, kein Handtuch, keine Wartezeit.

Entscheidungsbaum: waschen oder desinfizieren? Ausgangsfrage: Liegt sichtbarer Schmutz vor, war es der Toilettengang, oder sind Sporenbildner beziehungsweise Noroviren im Spiel? Wenn ja: erst waschen, dann desinfizieren. Wenn nein: desinfizieren, das ist der Standard. HÄNDEHYGIENE ERFORDERLICH Trifft einer dieser drei Punkte zu? Hände sichtbar verschmutzt  ·  nach dem Toilettengang Sporenbildner (C. difficile) oder Noroviren JA NEIN ERST WASCHEN Wasser und Seife entfernen mechanisch, was der Alkohol nicht erwischt. danach zusätzlich desinfizieren DESINFIZIEREN Das ist der Standard im Alltag: wirksamer und hautschonender als ständiges Waschen. Im Zweifel gilt: Gewaschen wird gezielt, desinfiziert wird routinemäßig.
Abbildung 3: Desinfizieren ist der Standard. Gewaschen wird gezielt bei
bestimmten Anlässen.

WANN GEWASCHEN WIRD

Es gibt genau drei Anlässe, bei denen das Waschen nicht ersetzbar ist:

  1. Bei sichtbarer Verschmutzung. Alkohol löst keinen Schmutz.
    Liegt eine sichtbare Schicht auf der Haut, kommt das Desinfektionsmittel gar nicht
    erst an die Keime heran.
  2. Nach dem Toilettengang. Hier geht es sowohl um Verschmutzung als
    auch um Erreger, die der Alkohol nicht sicher erfasst.
  3. Bei bestimmten Erregern, gegen die Alkohol nicht wirkt. Dazu
    gehören Sporenbildner wie Clostridioides difficile sowie
    Noroviren. Hier hilft nur die mechanische Entfernung mit Wasser und
    Seife, und zwar gefolgt von der Desinfektion.

ZUM SCHMUNZELN, ABER WAHR

Alkohol ist gegen fast alles ein harter Gegner, aber gegen Sporen ist er der
Türsteher, der die Gäste einfach durchwinkt. Deshalb bei
C. difficile: erst waschen, dann desinfizieren. Zwei Schritte, kein
Kompromiss.

★★☆ Stufe 2 – Vertiefung

WARUM SPOREN EINE SONDERROLLE SPIELEN

Manche Bakterien können sich bei ungünstigen Bedingungen in eine
Dauerform zurückziehen: die Spore. Man kann sich das wie einen Bunker
vorstellen. Die Spore hat eine mehrschichtige, sehr widerstandsfähige Hülle,
enthält kaum Wasser und ist stoffwechselinaktiv.

Genau diese Eigenschaften machen sie für Alkohol unangreifbar. Alkohol wirkt, indem
er Eiweiße ausfällt und Membranen auflöst. Beides braucht Wasser und einen
aktiven Stoffwechsel. Die Spore bietet weder das eine noch das andere. Sie überlebt die
Desinfektion also nicht, weil sie besonders stark wäre, sondern weil sie schlicht keinen
Angriffspunkt bietet.

Was bleibt, ist die mechanische Entfernung: Wasser, Seife, Reibung, spülen.
Die Spore wird dabei nicht abgetötet, sondern buchstäblich weggespült. Deshalb
folgt anschließend die Desinfektion, die sich um alles andere kümmert.

Bei Noroviren ist die Ursache eine andere, das Ergebnis dasselbe: Sie besitzen keine
Hülle, die der Alkohol auflösen könnte. Manche Präparate sind ausdrücklich
als begrenzt viruzid PLUS oder viruzid ausgewiesen und wirken
auch hier. Ob Ihr Produkt dazu zählt, steht auf dem Etikett und im Hygieneplan Ihres
Hauses.


FALLBEISPIEL: FRAU KLEIN

Frau Klein hat gerade Herrn Sonne mit einer
bekannten C.-difficile-Infektion versorgt. Sie zieht die Handschuhe aus,
greift zum Spender an der Wand, reibt sorgfältig ein und denkt, damit sei
alles erledigt.

Leider nein. Gegen Sporen muss sie zuerst waschen. Der Spender allein
lässt die Sporen kalt.

Frage zum Mitdenken: In welcher
Reihenfolge geht Frau Klein jetzt richtig vor – und warum ist es nicht egal,
ob man zuerst wäscht oder zuerst desinfiziert?

ÜBUNG

Aufgabe: Waschen, desinfizieren oder
beides? Ordnen Sie zu.

vor dem Anreichen von Medikamenten
sichtbares Blut an den Händen
nach dem eigenen Toilettengang
vor einem Verbandwechsel
nach der Versorgung eines Bewohners mit C. difficile

ZUSAMMENFASSUNG
  • Desinfizieren ist der Standard, weil es wirksamer und hautschonender
    ist.
  • Seife entfettet die Haut, Desinfektionsmittel enthalten rückfettende
    Stoffe.
  • Gewaschen wird bei sichtbarem Schmutz, nach dem Toilettengang sowie bei
    Sporen und Noroviren.
  • Bei Sporen gilt: erst waschen, dann desinfizieren.
  • Alkohol wirkt bei Sporen nicht, weil sie stoffwechselinaktiv sind und
    keinen Angriffspunkt bieten.

WISSENSCHECK

Händewaschen ist im Pflegealltag grundsätzlich
gründlicher als die Desinfektion.


Bei sichtbarem Schmutz an den Händen muss zuerst
gewaschen werden.


Nach dem Waschen bei C. difficile kann
man sich die Desinfektion sparen.


Nach oben scrollen