Wir haben geklärt, dass der Übertragungsweg das entscheidende Glied ist. Jetzt
schauen wir genauer hin: Welche Wege gibt es überhaupt, und welcher davon ist im
Pflegealltag der wichtigste?
DIE DREI WICHTIGSTEN ÜBERTRAGUNGSWEGE
| Weg | So funktioniert er | Typische Beispiele |
|---|---|---|
| Kontaktübertragung | Direkter Kontakt von Mensch zu Mensch oder indirekt über Hände, Flächen und Gegenstände |
MRSA, Darmbakterien, C. difficile, Noroviren, Krätzmilben |
| Tröpfchenübertragung | Größere Tröpfchen beim Husten, Niesen oder Sprechen; sie sinken nach kurzer Strecke zu Boden |
Influenza, RSV, Keuchhusten, Meningokokken |
| Aerogene Übertragung | Sehr feine Schwebeteilchen, die länger in der Luft bleiben und weiter getragen werden |
Tuberkulose, Masern, Windpocken |
Die Kontaktübertragung über Hände und Flächen ist mit Abstand
die häufigste. Das ist der Grund, warum dieser Kurs so viel Zeit auf die
Hände verwendet und nicht auf Raumlufttechnik. Für den Alltag gilt:
Wer die Hände im Griff hat, hat den wichtigsten Weg im Griff.
WICHTIG
Bei der indirekten Kontaktübertragung ist die Zwischenstation
entscheidend: Türklinke, Bettgitter, Nachttisch, Fernbedienung, Rollator,
Blutdruckmanschette, Kugelschreiber. Diese Dinge werden von vielen Händen
berührt und selten desinfiziert. Sie sind die Umsteigebahnhöfe im
Keimverkehr.
★★☆ Stufe 2 – Vertiefung
STANDARDHYGIENE: DER GRUNDSATZ, DER IMMER GILT
Die Standardhygiene, auch Basishygiene genannt, ist die
Grundausstattung Ihres Handelns. Sie gilt bei allen Menschen, immer und
unabhängig von der Diagnose.
Das ist ein wichtiger Punkt, denn er wird oft missverstanden. Standardhygiene bedeutet
nicht: erst nachschauen, ob jemand ansteckend ist, und dann entsprechend handeln. Sie
bedeutet: grundsätzlich sicher handeln, ohne vorher zu fragen.
Der Grund dafür ist nüchtern. Viele Keime tragen kein
Namensschild. Ein Mensch kann Träger eines Erregers sein, ohne selbst krank zu
sein und ohne dass es jemand weiß. Zwischen der Besiedlung und einem positiven Befund
liegen oft Tage, manchmal Wochen, manchmal wird nie getestet. Würden Sie Ihr Verhalten
nur an bekannten Diagnosen ausrichten, wären Sie immer einen Schritt zu spät.
Zur Standardhygiene gehören im Kern:
- Händehygiene nach den fünf Momenten (Lektion 2.1)
- Schutzhandschuhe bei Kontakt mit Blut, Sekreten und Ausscheidungen
- Schutzkittel und Mund-Nasen-Schutz, wenn mit Spritzern oder
Aerosolen zu rechnen ist - Flächendesinfektion patientennaher Flächen
- Sichere Entsorgung von scharfen und spitzen Gegenständen
- Aufbereitung von Pflegehilfsmitteln und Medizinprodukten
Kommt eine bestimmte Diagnose hinzu, werden zusätzliche Maßnahmen
ergänzt, etwa eine Isolierung. Die Standardhygiene fällt dabei nie
weg. Sie ist der Boden, auf dem alles andere steht.
ÜBUNG
Aufgabe: Welcher Übertragungsweg
steht bei diesen Situationen im Vordergrund?
- Es gibt Kontakt-, Tröpfchen- und aerogene Übertragung.
- Die Kontaktübertragung über Hände und Flächen ist mit
Abstand die häufigste. - Bei der indirekten Übertragung sind häufig berührte
Gegenstände die Zwischenstation. - Die Standardhygiene gilt immer und für alle, unabhängig von der
Diagnose. - Zusätzliche Maßnahmen kommen bei Bedarf dazu, ersetzen die
Standardhygiene aber nie.
WISSENSCHECK
Standardhygiene wird erst angewendet, wenn eine
ansteckende Diagnose bekannt ist.
Genau umgekehrt. Standardhygiene gilt
immer und für alle, gerade weil viele Besiedlungen unbekannt sind.
Eine Blutdruckmanschette kann eine Zwischenstation bei
der indirekten Kontaktübertragung sein.
Sie wird von vielen Händen
berührt, wandert von Zimmer zu Zimmer und wird selten aufbereitet. Ein
klassischer Umsteigebahnhof.
Wenn zusätzliche Isolierungsmaßnahmen
angeordnet sind, tritt die Standardhygiene in den Hintergrund.
Zusatzmaßnahmen kommen oben drauf.
Die Standardhygiene bleibt in vollem Umfang bestehen.