Hier gibt es eine wichtige Aktualisierung, die noch nicht überall angekommen ist.
15 ODER 30 SEKUNDEN?
Lange galt die Faustregel dreißig Sekunden. Die aktuelle
S2k-Leitlinie „Händedesinfektion und Händehygiene“
der AWMF nennt bei gut geschulter Technik eine Mindesteinwirkzeit von fünfzehn
Sekunden.
Das heißt aber ausdrücklich nicht, dass ab sofort überall
fünfzehn Sekunden gelten. Maßgeblich ist immer die Angabe des Herstellers
auf dem Produkt, und die liegt bei vielen Präparaten weiterhin bei dreißig
Sekunden. Die fünfzehn Sekunden sind eine Untergrenze, kein Freibrief.
Die richtige Regel lautet nicht „dreißig Sekunden“ und auch nicht
„fünfzehn Sekunden“, sondern: so lange, wie der Hersteller es
angibt – und in dieser Zeit müssen die Hände
durchgehend feucht bleiben. Trockene Hände nach fünf
Sekunden bedeuten schlicht: zu wenig Mittel genommen.
| Aussage | Stimmt das? | Warum |
|---|---|---|
| „Immer 30 Sekunden.“ | nicht zwingend | Gilt nur, wenn der Hersteller es so angibt. Viele Produkte tun das. |
| „Ab jetzt reichen 15 Sekunden.“ | nein | 15 Sekunden sind die Mindestzeit der Leitlinie. Steht auf dem Produkt mehr, gilt das Produkt. |
| „So lange, bis es trocken ist.“ | nein | Das kehrt Ursache und Wirkung um. Die Hände sollen während der vorgegebenen Zeit feucht bleiben. |
| „Herstellerangabe einhalten, Hände feucht halten.“ | ja | Das ist die vollständige und korrekte Regel. |
DIE MENGE ENTSCHEIDET
Einwirkzeit und Menge hängen unmittelbar zusammen. Man kann die Zeit gar nicht
einhalten, wenn man zu wenig Mittel nimmt, denn dann sind die Hände vorher trocken.
Als Richtwert wird in der Praxis mit etwa 3 Millilitern je
Händedesinfektion gerechnet. Das entspricht bei den meisten Wandspendern
zwei vollen Hub. Ein einzelner, halb gedrückter Hub liegt deutlich
darunter.
Die praktische Faustregel ist einfacher als jede Milliliterangabe:
- Nehmen Sie so viel, dass die hohle Hand gefüllt ist.
- Sind die Hände vor Ablauf der Zeit trocken, war es zu wenig.
- Tropft es auf den Boden, war es zu viel. Das ist allerdings der seltenere Fehler.
FALLBEISPIEL: PFLEGEHELFER MARCO
Marco ist im Frühdienst gut im Takt. Vor jedem Zimmer
tippt er im Vorbeigehen kurz auf den Spender, ein knapper Hub, reibt zweimal
über die Handflächen und ist schon an der Türklinke. Nach etwa
fünf Sekunden sind seine Hände trocken.
Marco ist überzeugt, alles richtig zu machen: Er desinfiziert schließlich
vor jedem Zimmer, und das sogar zuverlässig.
Frage zum Mitdenken: Marco hält
die Momente vorbildlich ein. Warum wirkt seine Händedesinfektion trotzdem kaum
– und an welcher einzigen Stellschraube müsste er drehen?
★★★ Stufe 3 – Expertenwissen
WOHER DIE 15 SEKUNDEN KOMMEN
Die Verkürzung ist keine Bequemlichkeitsentscheidung, sondern das Ergebnis von
Wirksamkeitsprüfungen. Untersuchungen zeigten, dass geeignete alkoholische Präparate
die geforderte Keimreduktion auch in fünfzehn Sekunden erreichen, sofern die Technik
stimmt und die Menge ausreicht.
Dahinter steht eine praktische Überlegung: Eine Vorgabe, die im Alltag
regelmäßig unterlaufen wird, schützt niemanden. Wenn dreißig
Sekunden dazu führen, dass die Desinfektion im Stress ganz ausfällt oder auf zehn
Sekunden zusammenschrumpft, ist eine realistisch einhaltbare Vorgabe der bessere Weg.
Wichtig für Sie in der Praxis: Diese Entscheidung treffen nicht Sie
allein. Welches Präparat in Ihrem Haus verwendet wird und welche Einwirkzeit
gilt, steht im Hygieneplan und auf dem Etikett. Wenn Sie unsicher sind,
schauen Sie auf die Flasche oder fragen Sie die Hygienebeauftragte.
Zur Einordnung der Größenordnung: Die AWMF-Leitlinie 075-004 wurde im September
2023 veröffentlicht und ist bis Februar 2028 gültig. Der Stand ist also aktuell.
ÜBUNG
Aufgabe: Ergänzen Sie die fehlenden
Begriffe.
Man nimmt so viel Mittel in die
Hand, dass die Hände die ganze
feucht bleiben. Maßgeblich ist die
des Herstellers. Am häufigsten vergessen werden
,
Fingerkuppen, Nagelfalze und Fingerzwischenräume.
- Die AWMF-Leitlinie nennt 15 Sekunden als Mindesteinwirkzeit.
- Maßgeblich bleibt die Herstellerangabe, wenn sie länger
ist. - Während der gesamten Einwirkzeit müssen die Hände feucht
bleiben. - Richtwert der Menge: etwa 3 ml, bei den meisten Spendern zwei volle
Hub. - Vorzeitig trockene Hände bedeuten immer: zu wenig Mittel.
WISSENSCHECK
Seit der neuen Leitlinie gelten überall
einheitlich 15 Sekunden.
15 Sekunden sind die Mindestzeit. Gibt der
Hersteller 30 Sekunden an, gelten 30 Sekunden.
Wenn die Hände nach fünf Sekunden trocken
sind, wurde zu wenig Mittel verwendet.
Die Feuchtigkeitsdauer ist der beste
Indikator für die Menge. Trocken heißt: nachlegen.
Welche Einwirkzeit in Ihrem Haus gilt, steht auf dem
Produkt und im Hygieneplan.
Beides sind verlässliche Quellen. Im
Zweifel gilt das Etikett des verwendeten Präparats.