Kursinhalt
Modul 1: Warum Hygiene? Die Infektionskette verstehen
Grundlagen: nosokomiale Infektionen, die sechs Glieder der Infektionskette, Übertragungswege und der Grundsatz der Standardhygiene.
0/3
Modul 2: Händehygiene im Mittelpunkt
Die fünf Momente der Händehygiene nach WHO und die Entscheidung zwischen Waschen und Desinfizieren.
0/2
Modul 3: Richtig desinfizieren – Technik und Details
Einreibetechnik und Schwachstellen, Einwirkzeit und Menge, Handschuhe sowie Nägel, Schmuck und Hautschutz.
0/4
Modul 4: Rahmen, Verantwortung und Transfer
Hygieneplan und § 23 IfSG, Compliance im Alltag und die Transferaufgabe für die eigene Schicht.
0/1
Abschluss und Nachschlagen
Glossar, Quellenverzeichnis und der Abschlusstest über alle Module.
0/3
Hygiene mit Schwerpunkt Händehygiene
Lernziel
Sie können die typischen Schwachstellen beim Einreiben benennen und erklären, warum die vollständige Benetzung wichtiger ist als ein starres Schema.

Früher wurde die Desinfektion in sechs festen Schritten geübt.
Viele von Ihnen haben das noch so gelernt: Handfläche auf Handfläche, dann rechte
Handfläche über linken Handrücken, und so weiter, jeweils fünfmal.

Die aktuelle Fachleitlinie ist da entspannter. Entscheidend ist nicht das
starre Schema, sondern dass am Ende jede Stelle der Hand benetzt ist. Wer
beim Sechs-Schritte-Schema mitzählt und dabei die Daumen vergisst, hat formal alles
richtig gemacht und trotzdem eine Lücke hinterlassen.


DAS SCHEMA IST NICHT VERBOTEN

Wenn Ihnen die sechs Schritte helfen, behalten Sie sie ruhig bei. Sie sind eine
gute Gedächtnisstütze. Der Unterschied ist nur: Das Schema ist ein
Hilfsmittel, kein Selbstzweck. Geprüft wird das Ergebnis, nicht
die Choreografie.

SO GEHT ES RICHTIG

  1. Genug Mittel nehmen. So viel in die hohle Hand, dass die Hände
    während der ganzen Einwirkzeit feucht bleiben. Bei den meisten Spendern sind das
    zwei Hub. Ein halber Hub reicht nie.
  2. Auf trockene Hände auftragen. Nasse Hände verdünnen
    das Mittel und senken die Wirkung.
  3. Vollständig verreiben. Alle Flächen, ausdrücklich
    auch die Schwachstellen unten.
  4. Feucht halten. Wird es zwischendurch trocken, war es zu wenig.
    Dann noch einmal von vorne.
  5. Nicht abtrocknen. Die Hände lufttrocknen lassen. Abwischen
    bricht die Einwirkzeit ab.

DIE VIER KLASSISCHEN SCHWACHSTELLEN

Die vergessenen Stellen sind immer dieselben. Klicken Sie in der Abbildung auf die
markierten Punkte.

Typische Schwachstellen bei der Händedesinfektion Eine stilisierte Hand. Vier Bereiche sind markiert: Daumen, Fingerkuppen, Nagelfalze und Fingerzwischenräume. Diese Stellen werden beim Einreiben am häufigsten vergessen. Die Erläuterungen stehen als Text unter der Grafik.

DIE VIER KLASSIKER A Daumen B Fingerkuppen C Nagelfalze D Fingerzwischenräume

Abbildung 4: Hygienische Händedesinfektion – die typischen
Schwachstellen. Klicken Sie auf die markierten Punkte für Details.

Die Erläuterungen erscheinen hier, wenn Sie auf einen
Punkt klicken.

★★☆ Stufe 2 – Vertiefung

WARUM GERADE DIESE VIER?

Es ist kein Zufall, dass es immer dieselben Stellen trifft. Zwei Gründe kommen
zusammen:

Erstens die Bewegung. Beim Einreiben laufen die Hände
überwiegend flächig aneinander. Handfläche und Handrücken bekommen dabei
reichlich ab. Alles, was aus dieser Ebene herausragt oder in ihr versteckt liegt, wird
übersprungen: der abgespreizte Daumen, die vorstehenden Kuppen, die eingeschlossenen
Zwischenräume, die vertiefte Nagelfalz.

Zweitens die Aufmerksamkeit. Die Händedesinfektion ist eine
hochautomatisierte Handlung. Sie läuft nebenbei, während Sie schon an den
nächsten Bewohner denken. Automatisierte Bewegungen werden mit der Zeit
kürzer und ungenauer, nicht gründlicher. Genau deshalb ist eine
Auffrischung wie dieser Kurs sinnvoll, obwohl Sie den Ablauf längst kennen.

Ein praktischer Tipp aus vielen Schulungen: Beginnen Sie bewusst mit den
Schwachstellen
, nicht mit den Handflächen. Also erst Fingerkuppen, dann Daumen,
dann Zwischenräume, und den Rest zum Schluss. Was am Anfang kommt, wird nicht
vergessen.

ÜBUNG

Frage: Eine Kollegin sagt: „Ich mache die sechs Schritte immer genau nach Vorschrift, also ist meine Technik korrekt.“ Wie beurteilen Sie das?




ZUSAMMENFASSUNG
  • Wichtig ist nicht das starre Schema, sondern die vollständige
    Benetzung aller Flächen.
  • Die vier klassischen Schwachstellen: Daumen, Fingerkuppen, Nagelfalze,
    Fingerzwischenräume.
  • Auf trockene Hände auftragen, nicht abtrocknen, lufttrocknen
    lassen.
  • Automatisierte Bewegungen werden mit der Zeit kürzer, nicht
    gründlicher.
  • Praxistipp: bewusst mit den Schwachstellen beginnen.

WISSENSCHECK

Nach der Einwirkzeit sollten die Hände mit einem
Papierhandtuch abgetrocknet werden.


Das Desinfektionsmittel wirkt besser, wenn die
Hände vorher angefeuchtet werden.


Der Daumen ist die am häufigsten vergessene
Stelle.


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