Handschuhe sind kein Ersatz für die Händedesinfektion, sondern eine
Ergänzung. Dieser eine Satz ist der Kern der ganzen Lektion. Alles andere sind
Erläuterungen dazu.
WOFÜR HANDSCHUHE DA SIND
Schutzhandschuhe werden getragen, wenn Kontakt mit Blut,
Körperflüssigkeiten, Ausscheidungen, potenziell infektiösem Material oder
kontaminierten Gegenständen möglich ist. Das regelt die
TRBA 250, die Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe im
Gesundheitswesen. Der Handschuh schützt dabei in erster Linie Sie.
Was er nicht leistet: Er ist nicht garantiert keimdicht. Auch neue,
unbeschädigte Handschuhe können Mikrolöcher haben, und beim Ausziehen kommt es
regelmäßig zu Kontakt zwischen Händen und Außenseite. Deshalb gilt:
Nach dem Ausziehen wird desinfiziert. Immer.
DIE REGELN AUF EINEN BLICK
- Vor dem Anziehen: Hände desinfizieren, vollständig
trocknen lassen, dann die Handschuhe anziehen. Auf feuchte Hände bekommt man
Handschuhe schlecht und beschädigt sie leicht. - Nach dem Ausziehen: sofort wieder Hände desinfizieren.
- Wechseln: zwischen verschiedenen Bewohnern, zwischen unreinen und
reinen Tätigkeiten und bei sichtbarer Verschmutzung oder Beschädigung. - Tragedauer begrenzen: nur so lange wie nötig. Bei einem
Tätigkeitswechsel ausziehen, nicht „für später“ anbehalten. - Niemals: Handschuhe desinfizieren und weitertragen. Einmalhandschuhe
dürfen nicht aufbereitet oder mehrfach verwendet werden. Handschuhe sind
Einmalartikel, keine Dauerkarte.
ZUM SCHMUNZELN, ABER WAHR
Ein Handschuh, den man den ganzen Vormittag trägt und zwischendurch
desinfiziert, ist ungefähr so hygienisch wie eine Socke, die man drei Tage
lüftet und dann für frisch erklärt.
★★☆ Stufe 2 – Vertiefung
DAS PROBLEM UNTER DEM HANDSCHUH: OKKLUSION
Unter dem Handschuh wird es feucht und warm, ein Wellnessbereich für Keime. Der
Fachbegriff dafür lautet Okklusion: Die Haut wird luftdicht
abgeschlossen, Schweiß kann nicht verdunsten und staut sich.
Das hat zwei Folgen, und beide sind ungut:
- Die Haut weicht auf. Die Hornschicht quillt, wird durchlässiger
und verliert an Barrierefunktion. Bei längerer Belastung entstehen Reißungen
und im schlimmsten Fall ein Handekzem – eine der häufigsten Berufskrankheiten
in Pflegeberufen. - Die Keimzahl steigt. Feucht und warm sind ideale
Vermehrungsbedingungen. Nach längerem Tragen finden sich unter dem Handschuh
deutlich mehr Keime als vorher.
Daraus folgt eine Regel, die viele überrascht: Weniger Handschuh ist oft mehr
Hygiene. Wer den Handschuh nur dort trägt, wo er wirklich gebraucht wird, und
ansonsten desinfiziert, schützt sowohl die Bewohner als auch die eigene Haut besser als
jemand, der den ganzen Dienst in Nitril verbringt.
FALLBEISPIEL: SCHÜLERIN LENA
Lena ist im zweiten Ausbildungsjahr und will alles richtig
machen. Sie zieht zu Beginn der Grundpflegerunde Handschuhe an und behält
sie an: bei Herrn Adler, beim Bettenmachen, beim Wasserreichen, bei Frau
Timm. Zwischendurch gibt sie sich einen Stoß aus dem Spender auf die
behandschuhten Hände, so wie sie es bei einer Kollegin gesehen hat.
Als sie nach zwei Stunden die Handschuhe auszieht, sind ihre Hände
klamm und leicht gerötet.
Frage zum Mitdenken: Lena macht
hier drei verschiedene Fehler. Welche – und welcher davon gefährdet die
Bewohner, welcher sie selbst?
ÜBUNG
Aufgabe: Richtig oder falsch?
a) Handschuhe ersetzen die Händedesinfektion.
Sie ergänzen sie. Vor dem Anziehen
und nach dem Ausziehen wird desinfiziert.
b) Vor dem Anziehen von Handschuhen wird
desinfiziert.
Und zwar vollständig trocknen
lassen, bevor der Handschuh übergestreift wird.
c) Einmalhandschuhe dürfen desinfiziert und
weitergetragen werden, wenn sie unbeschädigt sind.
Einmalhandschuhe sind Einmalartikel. Eine
Aufbereitung ist nicht zulässig, und das Material leidet.
d) Langes ununterbrochenes Handschuhtragen kann die
Haut schädigen.
Stichwort Okklusion: Die Haut weicht auf,
die Barriere leidet, Handekzeme werden begünstigt.
- Handschuhe ergänzen die Händedesinfektion, ersetzen sie
nie. - Vor dem Anziehen desinfizieren, nach dem Ausziehen erneut.
- Wechsel zwischen Bewohnern sowie zwischen unreinen und reinen
Tätigkeiten. - Tragedauer auf das Notwendige begrenzen, Stichwort Okklusion.
- Einmalhandschuhe werden nicht desinfiziert und nicht
wiederverwendet.
WISSENSCHECK
Auch nach dem Tragen von Handschuhen ist eine
Händedesinfektion erforderlich.
Handschuhe sind nicht garantiert
keimdicht, und beim Ausziehen entsteht leicht Kontakt.
Wer Handschuhe trägt, muss zwischen zwei
Bewohnern nicht wechseln, solange sie sauber aussehen.
Der Wechsel zwischen Bewohnern ist
Pflicht. Sichtbare Sauberkeit sagt nichts über die Keimlast aus.
Handschuhe werden auf trockene Hände
angezogen.
Feuchte Hände erschweren das Anziehen
und begünstigen Materialschäden.