Früher wurde die Desinfektion in sechs festen Schritten geübt.
Viele von Ihnen haben das noch so gelernt: Handfläche auf Handfläche, dann rechte
Handfläche über linken Handrücken, und so weiter, jeweils fünfmal.
Die aktuelle Fachleitlinie ist da entspannter. Entscheidend ist nicht das
starre Schema, sondern dass am Ende jede Stelle der Hand benetzt ist. Wer
beim Sechs-Schritte-Schema mitzählt und dabei die Daumen vergisst, hat formal alles
richtig gemacht und trotzdem eine Lücke hinterlassen.
DAS SCHEMA IST NICHT VERBOTEN
Wenn Ihnen die sechs Schritte helfen, behalten Sie sie ruhig bei. Sie sind eine
gute Gedächtnisstütze. Der Unterschied ist nur: Das Schema ist ein
Hilfsmittel, kein Selbstzweck. Geprüft wird das Ergebnis, nicht
die Choreografie.
SO GEHT ES RICHTIG
- Genug Mittel nehmen. So viel in die hohle Hand, dass die Hände
während der ganzen Einwirkzeit feucht bleiben. Bei den meisten Spendern sind das
zwei Hub. Ein halber Hub reicht nie. - Auf trockene Hände auftragen. Nasse Hände verdünnen
das Mittel und senken die Wirkung. - Vollständig verreiben. Alle Flächen, ausdrücklich
auch die Schwachstellen unten. - Feucht halten. Wird es zwischendurch trocken, war es zu wenig.
Dann noch einmal von vorne. - Nicht abtrocknen. Die Hände lufttrocknen lassen. Abwischen
bricht die Einwirkzeit ab.
DIE VIER KLASSISCHEN SCHWACHSTELLEN
Die vergessenen Stellen sind immer dieselben. Klicken Sie in der Abbildung auf die
markierten Punkte.
Schwachstellen. Klicken Sie auf die markierten Punkte für Details.
Die Erläuterungen erscheinen hier, wenn Sie auf einen
Punkt klicken.
A – Der Daumen
Der häufigste blinde Fleck überhaupt. Der Daumen steht anatomisch abseits
und wird beim Reiben zwischen den Handflächen schlicht übersehen. Dabei
fassen wir mit ihm ununterbrochen zu: Türklinken, Bettgitter, Gläser,
Rollatorgriffe. Umfassen Sie ihn bewusst mit der anderen Hand und drehen Sie.
B – Die Fingerkuppen
Mit den Fingerkuppen berühren Sie fast alles, was Sie anfassen. Sie sind
gleichzeitig die Stelle, die beim flächigen Reiben am wenigsten Kontakt zum
Mittel bekommt. Stellen Sie die Fingerkuppen in die hohle Hand und kreisen Sie.
C – Die Nagelfalze
Der schmale Spalt zwischen Nagel und Haut. Dort ist es feucht, geschlossen und
schwer zugänglich, also ein ideales Keimreservoir. Nur kurze Naturnägel
lassen sich hier überhaupt sicher erreichen.
D – Die Fingerzwischenräume
Innen wie außen. Beim schnellen Reiben gleiten die Hände flach
aneinander vorbei und die Zwischenräume bleiben trocken. Spreizen Sie die Finger
und verschränken Sie sie bewusst.
★★☆ Stufe 2 – Vertiefung
WARUM GERADE DIESE VIER?
Es ist kein Zufall, dass es immer dieselben Stellen trifft. Zwei Gründe kommen
zusammen:
Erstens die Bewegung. Beim Einreiben laufen die Hände
überwiegend flächig aneinander. Handfläche und Handrücken bekommen dabei
reichlich ab. Alles, was aus dieser Ebene herausragt oder in ihr versteckt liegt, wird
übersprungen: der abgespreizte Daumen, die vorstehenden Kuppen, die eingeschlossenen
Zwischenräume, die vertiefte Nagelfalz.
Zweitens die Aufmerksamkeit. Die Händedesinfektion ist eine
hochautomatisierte Handlung. Sie läuft nebenbei, während Sie schon an den
nächsten Bewohner denken. Automatisierte Bewegungen werden mit der Zeit
kürzer und ungenauer, nicht gründlicher. Genau deshalb ist eine
Auffrischung wie dieser Kurs sinnvoll, obwohl Sie den Ablauf längst kennen.
Ein praktischer Tipp aus vielen Schulungen: Beginnen Sie bewusst mit den
Schwachstellen, nicht mit den Handflächen. Also erst Fingerkuppen, dann Daumen,
dann Zwischenräume, und den Rest zum Schluss. Was am Anfang kommt, wird nicht
vergessen.
ÜBUNG
Frage: Eine Kollegin sagt: „Ich mache die sechs Schritte immer genau nach Vorschrift, also ist meine Technik korrekt.“ Wie beurteilen Sie das?
- Wichtig ist nicht das starre Schema, sondern die vollständige
Benetzung aller Flächen. - Die vier klassischen Schwachstellen: Daumen, Fingerkuppen, Nagelfalze,
Fingerzwischenräume. - Auf trockene Hände auftragen, nicht abtrocknen, lufttrocknen
lassen. - Automatisierte Bewegungen werden mit der Zeit kürzer, nicht
gründlicher. - Praxistipp: bewusst mit den Schwachstellen beginnen.
WISSENSCHECK
Nach der Einwirkzeit sollten die Hände mit einem
Papierhandtuch abgetrocknet werden.
Die Hände werden lufttrocken.
Abwischen bricht die Einwirkung ab und bringt neue Keime auf die Haut.
Das Desinfektionsmittel wirkt besser, wenn die
Hände vorher angefeuchtet werden.
Umgekehrt: Wasser verdünnt den
Alkohol und senkt die Wirksamkeit. Aufgetragen wird auf trockene Hände.
Der Daumen ist die am häufigsten vergessene
Stelle.
Er steht abseits der Reibebewegung und
wird übersehen – obwohl wir mit ihm ständig zufassen.