Kursinhalt
Modul 1: Warum Hygiene? Die Infektionskette verstehen
Grundlagen: nosokomiale Infektionen, die sechs Glieder der Infektionskette, Übertragungswege und der Grundsatz der Standardhygiene.
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Modul 2: Händehygiene im Mittelpunkt
Die fünf Momente der Händehygiene nach WHO und die Entscheidung zwischen Waschen und Desinfizieren.
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Modul 3: Richtig desinfizieren – Technik und Details
Einreibetechnik und Schwachstellen, Einwirkzeit und Menge, Handschuhe sowie Nägel, Schmuck und Hautschutz.
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Modul 4: Rahmen, Verantwortung und Transfer
Hygieneplan und § 23 IfSG, Compliance im Alltag und die Transferaufgabe für die eigene Schicht.
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Abschluss und Nachschlagen
Glossar, Quellenverzeichnis und der Abschlusstest über alle Module.
0/3
Hygiene mit Schwerpunkt Händehygiene
Lernziel
Sie können Ihre Rolle im Hygieneplan der Einrichtung einordnen und eine konkrete Verhaltensänderung für die eigene Schicht ableiten.

Sie wissen jetzt, wann zu desinfizieren ist, wie es richtig geht und wie lange. Bleibt die
unbequemste Frage von allen: Warum passiert es trotzdem nicht immer?

Denn das Wissen ist selten das Problem. In Beobachtungsstudien liegt die tatsächliche
Umsetzung der fünf Momente je nach Bereich deutlich unter dem, was fachlich nötig
wäre. Und das gilt auch für Teams, die den Stoff perfekt wiedergeben können.

DER RECHTLICHE RAHMEN

Händehygiene ist keine Frage des persönlichen Stils. Sie steht in einem
rechtlichen Rahmen, den Sie kennen sollten – nicht um Paragrafen aufzusagen, sondern um
zu verstehen, warum bestimmte Dinge nicht verhandelbar sind.

Grundlage Was dort steht Was das für Sie heißt
§ 23 IfSG Einrichtungen müssen die erforderlichen Maßnahmen zur Verhütung,
Erkennung und Bekämpfung von Infektionen treffen. Die KRINKO-Empfehlungen sind
dabei zu berücksichtigen.
Ihr Haus muss einen Hygieneplan haben, und Sie müssen unterwiesen
werden.
Hygieneplan Legt für Ihr Haus verbindlich fest: welche Präparate, welche
Einwirkzeiten, welche Indikationen, welche Schutzausrüstung.
Das ist Ihre erste Nachschlagequelle bei Unsicherheit.
KRINKO-Empfehlung „Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens“ (2016),
der fachliche Maßstab.
Bildet die Grundlage für das, was in Ihrem Hygieneplan steht.
TRBA 250 Arbeitsschutz: Schutzhandschuhe, Schmuckfreiheit, Umgang mit biologischen
Arbeitsstoffen.
Der Grund, warum Ring und Uhr nicht im Ermessen liegen.
TRGS 401 Hautgefährdung, Feuchtarbeit, Hautschutzplan, arbeitsmedizinische
Vorsorge.
Ihr Anspruch auf Hautschutzmittel und Vorsorge.

WIE HÄNDEHYGIENE GEMESSEN WIRD

Viele Häuser erfassen den Verbrauch an Händedesinfektionsmittel,
angegeben in Millilitern pro Patiententag. Das geschieht häufig im
Rahmen von HAND-KISS, einem Modul des Krankenhaus-Infektions-Surveillance-Systems.

Die Rechnung ist simpel: Jahresverbrauch geteilt durch die Zahl der Patiententage. Rechnet
man mit etwa 3 Millilitern je Desinfektion, lässt sich daraus grob ableiten, wie oft pro
Patient und Tag desinfiziert wurde.


WAS DIE ZAHL NICHT SAGT

Der Verbrauch ist ein Surrogatparameter, also ein Hilfsmaß.
Er zeigt die Größenordnung, aber nicht, ob die Desinfektion
zum richtigen Zeitpunkt und mit der richtigen Technik
erfolgt ist. Wer zehnmal am Tag hastig einen halben Hub nimmt, erzeugt Verbrauch,
aber wenig Wirkung.

Einen bundeseinheitlichen Sollwert gibt es übrigens nicht. Sinnvoll ist der
Wert vor allem im Zeitverlauf der eigenen Station.

★★★ Stufe 3 – Expertenwissen

WARUM COMPLIANCE IM ALLTAG SCHEITERT

Wenn Wissen nicht das Problem ist, was dann? In der Praxis lassen sich vier Muster
beobachten – und für jedes gibt es einen Gegenzug:

  1. Der Weg ist zu weit. Steht der Spender am Zimmerende, kostet jede
    Desinfektion zehn Schritte. Bei zwanzig Indikationen pro Runde summiert sich das.
    Gegenzug: Kitteltaschenflasche. Sie ist die wirksamste Einzelmaßnahme
    gegen dieses Muster.
  2. Der Zeitdruck. Im Frühdienst wird gekürzt, wo es
    unsichtbar bleibt. Eine ausgelassene Desinfektion sieht niemand, ein nicht gewaschener
    Bewohner schon. Gegenzug: Ehrlichkeit im Team darüber, dass hier gekürzt
    wird, statt so zu tun, als sei alles im Griff.
  3. Die Gewohnheit. Automatisierte Abläufe verkürzen sich
    schleichend. Niemand entscheidet sich bewusst für fünf Sekunden statt
    fünfzehn. Gegenzug: gegenseitige Beobachtung, kollegiales Ansprechen,
    regelmäßige Auffrischung.
  4. Die Haut tut weh. Wer rissige Hände hat, meidet den Spender,
    weil es brennt. Gegenzug: Hautschutz ernst nehmen. Das ist keine Nebensache,
    sondern die Voraussetzung dafür, dass die Desinfektion überhaupt stattfindet.

Die bundesweite Kampagne Aktion Saubere Hände unterstützt
Einrichtungen genau bei diesen Punkten, mit Schulungsmaterial, Beobachtungsbögen und
Vorgaben zur Spenderausstattung.


FALLBEISPIEL: FRÜHDIENST IM WOHNBEREICH 2

Es ist 6:45 Uhr. Sabine hat sechs Bewohner in der
Grundpflege, zwei davon mit Transfer über den Lifter. Der Spender hängt
im Bad, also am hinteren Ende jedes Zimmers. Eine Kitteltaschenflasche hat sie
nicht, weil die Bestellung seit Wochen offen ist.

Um 7:20 Uhr klingelt Herr Voß dazwischen, dessen Vorlage durchgenässt
ist. Sabine unterbricht, versorgt ihn, geht zurück zu Frau Petersen und macht
dort weiter, wo sie aufgehört hat.

Frage zum Mitdenken: An welchen
Stellen dieser 35 Minuten wäre eine Händedesinfektion fällig gewesen
– und welche eine organisatorische Änderung würde am meisten
bewirken?

ÜBUNG: EINE SCHICHT DURCHSPIELEN

Schritt 1 von 3

Sie betreten das Zimmer von Frau Petersen, ziehen die Gardine auf, rücken den Nachttisch zurecht und wollen ihr nun beim Aufsetzen helfen. Was tun Sie?


Schritt 2 von 3

Mitten in der Versorgung klingelt Herr Voß. Seine Vorlage ist durchgenässt. Sie versorgen ihn mit Handschuhen und wollen dann zu Frau Petersen zurück. Was ist jetzt richtig?



Schritt 3 von 3

Nach der Runde stellen Sie fest: Der Spender im Bad ist leer, und Ihre Kitteltaschenflasche ist seit Wochen bestellt, aber nicht geliefert. Was ist die wirksamste Reaktion?



TRANSFER IN IHREN ALLTAG

Diese Aufgabe gehört zum Kurs. Planen Sie dafür eine Schicht
ein und notieren Sie Ihre Antworten schriftlich in Stichworten.

  • Beobachten Sie sich in einer typischen Schicht einmal bewusst selbst. An welchem
    der fünf Momente rutscht Ihnen die Desinfektion am ehesten durch?
  • Wo an Ihrem Arbeitsplatz steht der nächste Spender, und ist er immer
    griffbereit? Wie viele Schritte sind es vom Bett aus?
  • Haben Sie eine Kitteltaschenflasche? Wenn nein: Warum nicht, und wer könnte
    das ändern?
  • Welche eine Gewohnheit nehmen Sie sich nach diesem Kurs konkret
    vor?

Eine einzige verbesserte Gewohnheit wirkt mehr als das schönste Poster an der
Wand.

GESAMTZUSAMMENFASSUNG
  • Die Infektionskette hat sechs Glieder; die Händehygiene trennt den
    Übertragungsweg.
  • Die fünf Momente der WHO sagen Ihnen, wann zu desinfizieren ist.
  • Desinfizieren ist der Standard, Waschen gezielt bei Schmutz, Toilette und
    Sporen.
  • Genug Mittel, alle Flächen, Herstellerzeit einhalten, Hände
    feucht halten.
  • Handschuhe ergänzen, ersetzen nie.
  • Kurze Nägel, kein Schmuck, gepflegte Haut.
  • Der Hygieneplan Ihres Hauses ist die verbindliche Nachschlagequelle.

WISSENSCHECK

Ein hoher Verbrauch an Desinfektionsmittel beweist,
dass die Händehygiene korrekt durchgeführt wird.


Ein leerer Spender ist ein Mangel, den Sie melden
sollten.


Bei Unsicherheit zur Einwirkzeit ist der Hygieneplan
Ihres Hauses die richtige Nachschlagequelle.


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